Die Glasfenster können saniert werden – und die Kirchenpflege hat erstmals eine Präsidentin

Protokoll der Kirchgemeineversammlung zur Ansicht/Download: Protokoll KGV 23. Mai 2022

Die Versammlung der Kirchgemeinde Wallisellen vom 23. Mai wählte Anne-Catherine de Loë aus Dietlikon zur Nachfolgerin von Hanspeter Kündig. Damit steht zum ersten Mal eine Frau an die Spitze der Kirchenpflege. Für die Sanierung der 65 Jahre alten Buntglasfenster der Antoniuskirche wurde ein Kredit über 864‘000 Franken gesprochen.    

Die Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen Montag – die letzte, die von Kirchpflegepräsident Hanspeter Kündig geleitet wurde – war aufgrund der anstehenden Verabschiedungen und Neuwahlen sowie des hohen Kreditantrags für die Sanierung der Walliseller Kirchenfenster gut besucht. Sie begann allerdings mit der traurigen Nachricht vom Tod von René Baumgartner, der die Kirchgemeinde wie kein anderer geprägt hat, und die Teilnehmenden verbrachten einem stillen Augenblick in seinem Gedenken.

Gut besuchte Kirchgemeindeversammlung am 23. Mai.

Der Jahresbericht 2021 der Kirchenpflege sowie die Jahresrechnung 2021, die deutlich besser ausfiel als erwartet, wurden speditiv, diskussionslos und ohne Gegenstimmen abgenommen. Mehr zu reden gab der hohe Kredit für die Sanierung der 65 Jahre alten Fenster der Kirche St. Antonius in Wallisellen.

Der Baukredit für die Sanierung der bunten Kirchenfenster in Wallisellen wurde genehmigt.

Bauliche und energetische Sanierung

Die gelöteten Bleiverbindungen, welche die farbigen Glasscheiben des Künstlers Ferdinand Gehrs zusammenhalten, sind brüchig geworden, die tragende Metallkonstruktion weist Rost auf. Wie lange sie bei einem Sturm noch der Kraft des Windes zu trotzen vermögen, ist gemäss Liegenschaftsvorstand Richard Pfister unsicher. Die einzigartigen Kirchenfenster sollen für die Nachwelt erhalten bleiben – da die Kirche St. Antonius ein kantonales Denkmalschutzobjekt ist, leitet sich daraus eine entsprechende Pflicht ab. Und auch der energetische Zustand der alten Kirchenfenster erklärt den dringend notwendigen Sanierungsbedarf. Dieser wurde auch von der RPK nicht in Frage gestellt. Sie beantrage jedoch eine Verschiebung der Abstimmung für den Kredit in der Höhe von 864‘000 Franken, weil ihr gemäss RPK-Präsident Philipp Hechenberger noch Unterlagen zur gründlichen finanziellen Beurteilung des Geschäfts fehlen würden. Tatsächlich ist zum jetzigen Zeitpunkt zum Beispiel noch nicht klar, ob und mit welchen Beträgen sich die Denkmalpflege und evtl. andere Institution an den Renovierungskosten beteiligen. Entsprechende Anträge können jedoch erst gestellt werden, wenn ein genehmigter Kreditrahmen vorliegt. Die Versammlung folgte deshalb der Argumentation der Kirchenpflege und bewilligte den Baukredit mit 47 zu 9 Stimmen.

Vier Rücktritte aus der Kirchenpflege

Der abtretende Kipf-Präsident Hanspeter Kündig übergibt das Amt an Anne-Catherine de Loë.

Nach über 36 Jahren Behördentätigkeit in Wallisellen legt Hanspeter Kündig sein Amt als Präsident der Kirchenpflege, das er 12 Jahre lang mit viel Weitsicht  ausübte, auf Mitte Jahr nieder. 126 „Kipf“-Sitzungen und 25 Kirchgemeindeversammlungen hat Hanspeter Kündig in dieser Zeit geleitet und dabei mit einer Vielzahl wegweisender Geschäfte viele Spuren in den Pfarreien St. Antonius und St. Michael hinterlassen. Nun aber, sagte der 77-Jährige, sei für ihn die Zeit zum Aufhören gekommen und das Amt einer jüngeren Person zu übergeben. Diese konnte in der Person von Anne-Catherine de Loë gefunden werden. Die gelernte Pflegefachfrau und Fachspezialistin Onkologie leitete während sechs Jahren den Pfarreirat von Dietlikon und Wangen-Brüttisellen und bringt damit reichlich Erfahrung in vergleichbarer Position mit. Falls sie doch einmal guten Rat benötigen sollte, kann sie sich diesen auch in der Familie holen: ihre Mutter Antoinette Fierz, die ehemalige Dietliker Gemeinderätin, war während 12 Jahren die Stellvertreterin von Hanspeter Kündig. Sie betreute zahlreiche anspruchsvolle Projekte wie den Erweiterungsbau des Pfarrhauses in Dietlikon, die Vorbereitungen zur Abstimmung über die Steuerinitiative im Jahr 2014 oder momentan das Umwelt-Projekt „Grüner Güggel“.

Die Kirchenpflege in ihrer bisherigen Besetzung (v.l.n.r.): Renato Hutter (gewählt), Isabella Egli (Rücktritt), Hanspeter Kündig (Rücktrit), Flavia Laubscher (Rücktritt), Richard Pfister (gewählt), Antoinette Fierz (Rücktritt) und Juan Camenzind (gewählt).

Ebenfalls 2010 in die Kipf gewählt wurde Flavia Laubscher, die sich als Personalfachfrau dem arbeits- und zeitintensiven Ressort Personal mit viel Herzblut angenommen hatte. „Sie war für uns ein Glücksfall“, sagte denn auch Hanspeter Kündig: „ihr Engagement ging weit über die Pflichten eines Behördenmitgliedes hinaus.“ Mit grosser Umsicht, Empathie und Fachwissen kümmerte sie sich um das Personal der beiden Pfarreien, verantwortete arbeitsrechtliche Belange, war aber vor allem als „Mensch“ und Ansprechperson immer für die Mitarbeitenden da. „Das hat vor allem in der letzten Zeit viel Substanz gekostet“, erklärte Hanspeter Kündig und bedankte sich für Flavia Laubscher für ihre drei Amtszeiten. Isabella Egli, die sich vor zweieinhalb Jahren als Ersatz für den ausgewanderten Oliver Hartmann in die Kirchenpflege wählen liess, hat in dieser Zeit über 30 Sitzungs-Protokolle geschrieben. „Immer zuverlässig, zeitgerecht, sauber und korrekt“, wie Hanspeter Kündig betonte. Da Isabella Egli sehr viel Aufwand und Energie in die Leitung des Cäcilienchors steckt, dem sie als Präsidentin vorsteht, stellt sie ihr Amt wieder zur Verfügung.

Neue Gesichter in der Kirchenpflege

„Eine gute Nachfolgeregelung war uns wichtig“, betonte Hanspeter Kündig. Die „Kipf“ machte sich deshalb schon vor mehr als einem halben Jahr auf die Suche nach Ersatz für die zurücktretenden Mitglieder – und ist in allen drei Gemeinden fündig geworden. Während die neue Präsidentin aus Dietlikon kommt, konnte aus Brüttisellen  Georgs Ulrich gewonnen werden, der Direktor des Bundesamtes für Statistik. Ein beruflicher Termin hinderte ihn an der Versammlungsteilnahme; er wurde in Abwesenheit gewählt. Die Gemeinde Wallisellen stellt zwei neue Kirchenpfleger: die Journalistin und PR-Fachfrau Angelika Nido Wälty sowie der Elektroingenieur und Fachhochschul-Dozent Aron Braun.

Als bisherige Kirchenpfleger stellten sich Richard Pfister, Juan Camenzind und Renato Hutter zur Wiederwahl und wurden einstimmig und mit Applaus bestätigt. In der neuen Zusammensetzung wird sich die Kirchenpflege erstmals Anfang Juli treffen und sich konstituieren.

Eine Ersatzwahl gab es in der RPK: der Walliseller Markus Reck wird für den zurücktretenden Hansjörg Berger übernehmen. Marc Bayer, Danica Mathis, Markus Roth und Philippe Hechenberger wurden wiedergewählt, letzterer auch als Präsident der RPK.

 

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