Wallisellern Kirchen sparen Energie und setzen ein starkes Zeichen

Mit einer Reihe von Massnahmen bereiten sich die Walliseller Kirchen auf einen Winter vor, in dem die Energie knapp werden könnte. So werden ihre Gebäude ab sofort in der Nacht nicht mehr von aussen beleuchtet, in den Kirchen wird weniger geheizt – und es gibt in diesem Jahr keinen begehbaren Adventskalender.   

Der ökumenische Zusammenhalt ist stark in der Stadt Wallisellen und zeigt sich nicht nur bei gemeinsamen Projekten. Auch angesichts der drohenden Energiemangellage herrscht unter den Walliseller Kirchen ein allgemeiner Konsens. „Wir treffen eine Reihe von Massnahmen, um Energie zu sparen und auf Versorgungsengpässe in diesem Winter vorbereitet zu sein“, sagt Esther Kissling, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Wallisellen. Und Reto Häfliger, der interimistische Leiter der katholischen Pfarrei St. Antonius, ergänzt: „Dabei geht es auch um Eigenverantwortung und Solidarität mit anderen Energiesparenden. Ausserdem möchten wir ein Zeichen gegen aussen setzen.“

Kirchentürme bleiben dunkel

Am sichtbarsten ist das Abschalten der Aussenbeleuchtungen, das in diesen Tagen bereits erfolgt ist. In Rieden wird der Turm bis auf weiteres in der Nacht nicht mehr angestrahlt. Auch die Beleuchtung der reformierten Kirche, die als eines der Wahrzeichen Wallisellens am Ende des steilen Chilerais thront, wird abgeschaltet, obwohl sie bereits mit sparsamen LED-Scheinwerfern erfolgte. Ausnahmen sind Feiertage wie der 24. und der 25. Dezember sowie der 31. Dezember. Bei den Katholiken ist die Kirche ohnehin nicht beleuchtet und der LED-Scheinwerfer, der sonst die offene Glockenstube des Kirchturms erhellt, wird nur noch während gut einer Stunde am Samstagabend strahlen. Ebenfalls keine Aussenbeleuchtung hat die Kirche der Freien Evangelischen Gemeinde FEG an der Spitzackerstrasse. In Betrieb bleiben die Strassenbeleuchtungen bei den genannten Gebäuden, für welche die Stadt Wallisellen zuständig ist.

Die Mitarbeitenden der Kirchen werden zum Energiesparen angehalten: Elektronische Geräte sollen bei Nichtgebrauch abgestellt und das Licht in den Büros und allgemeinen Räumlichkeiten beim Verlassen gelöscht werden.

Auf sämtliche Innenbeleuchtungen, die wie beim reformierten Kirchgemeindehaus teilweise über Bewegungsmelder gesteuert werden, kann allerdings nicht verzichtet werden. „Schliesslich tragen wir auch eine Verantwortung für die Sicherheit der Menschen“ erklärt Esther Kissling.

Keine beleuchteten Fenster im Advent

Um in Zeiten des Kriegs in Europa und des drohenden Strommangels ein weiteres Ausrufezeichen zu setzen, wird in diesem Jahr in Wallisellen auf eine beliebte Tradition verzichtet: „Wir haben am ökumenischen Konvent im September beschlossen, dass es keine Adventsfenster gibt“, erklärt Reto Häfliger. Einzelpersonen, Familien, Freunde, Geschäfte und Institutionen wie die Kirchen gestalteten Jahr für Jahr in verschiedenen Ortsteilen mit viel Kreativität die „Türchen“ für den begehbaren Adventskalender. An jedem Abend wurde ein neues Fenster geöffnet, nicht selten begleitet von einem kleinen Apéro oder Umtrunk.

Auch auf andere Formen der Weihnachtsbeleuchtung wird in den drei Pfarreien weitgehen verzichtet. „Wir werden mit den Kindern andere Dekorationen basteln, diese müssen dann ohne Lichter wirken“, sagt Esther Kissling.

Kirchen werden weniger geheizt

Eine weitere Massnahme, die Kirchgängerinnen und Kirchgänger bemerken werden, ist das Senken der Temperaturen in den Kirchen und Kapellen, über das viel Energie eingespart werden kann. „Würden die Kirchen die Heizung regulieren, könnten sie schweizweit jedes Jahr 100 Millionen Kilowattstunden Energie sparen“, errechnete der “Kassensturz“ bereits vor Jahren. Und das, obwohl die meisten Kirchen, so auch in Wallisellen, schon bisher nicht überheizt waren.

In der St. Antonius-Kirche wird in diesem Jahr nur noch auf 17 Grad geheizt, was sich angesichts der Tatsache, dass die meisten Leute ihre Jacken und Mäntel während des Gottesdienstes anbehalten, gut aushalten lässt. Das katholische Gotteshaus wird ausserdem früher geschlossen, nämlich um 17 statt wie bisher um 20 Uhr. Bis um 20 Uhr geöffnet bleibt jedoch die Kapelle für alle, die sich ein paar ruhige Minuten der Besinnung gönnen möchten.

Kühler wird es auch in der reformierten Kirche sowie im Kirchgemeindehaus und zwar um 2 Grad. In der Kirche wird der Thermostat auf 18 bis 19 Grad eingestellt. Das warme Wasser wird auf maximal 60 Grad beschränkt.

In der Freien evangelischen Gemeinde, die daran ist, einen Neubau zu planen, gibt es nur beschränkte technische Möglichkeiten zur Regulierung der Heizung. „Aber wir sind ohnehin schon beim Elementaren angelangt und seit Längerem bemüht, alles möglichst tief zu halten“, erklärt Pastor Peter Hauser.

Nachhaltiger Umgang mit der Schöpfung

Ökologisches Handeln und der nachhaltige Umgang mit den Ressourcen ist bei den Walliseller Kirchen allerdings kein neues Thema. Christinnen und Christen werden schon in der Bibel dazu aufgefordert, „den Garten Eden zu bebauen und bewahren.“ Aus Verantwortung gegenüber der Schöpfung, dem Klima und der Gesellschaft haben die Walliseller Kirchen in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Massnahmen getroffen.

So hat die katholische Kirchgemeinde in einem dreijährigen Prozess ein systematisches Umweltmanagement gemäss den Vorgaben des Labels „Grünen Güggel“ eingeführt und im Mai die entsprechende Zertifizierung erhalten. Die reformierte Kirchgemeinde hat ihr neues Kirchengemeindehaus nach modernsten Energiestandards gebaut. Im nächsten Jahr soll ausserdem der thematische Schwerpunkt auf der Nachhaltigkeit liegen.