Ein rührendes Ständchen vor dem Alterszentrum

Es waren bewegende Szenen, die sich vor dem Wallliseller Alters- und Pflegezentrum (WAP) abspielten: Weil Lucia Reinecke und Ulrike von Allmen, die Altersbeauftragten der katholischen und der reformierten Kirche, solche Sehnsucht nach „ihren“ Senioren hatten, die sie im Moment nicht besuchen dürfen, organisierten sie für diese ein Überraschungskonzert.

Die volle Stimme von Claudio Tolaini bewies Tragkraft bis zum obersten Balkon: der Walliseller Musiker, der von seiner Frau Susanne mit der Geige begleitet wurde, schmetterte Frühlingslieder wie „Alle Vögel sind schon da“ und  Klassiker wie „Que sera sera“ in die laue Frühlingsluft. Die beiden spielten ihr kleines Konzert in sicherer Entfernung zu ihrem Publikum. Denn wegen der Corona-Krise sind Besuche in Alters- und Pflegezentren wie dem Wägelwiesen seit Wochen nicht mehr erlaubt.

Sehnsucht nach den Senioren

„Wir halten es kaum aus, dass wir unsere Seniorinnen und Senioren nicht mehr sehen und ihnen in dieser schweren Zeit beistehen können“, sagten Lucia Reinecke und Ulrike von Allmen, die Altersbeauftragten der katholischen und der reformierten Kirche Wallisellen. Also kamen die Beiden auf die Idee,  „ihren“ Senioren mit einem kleinen Ständchen vor dem Wägelwiesen ein bisschen Freude in den besuchslosen Alltag zu zaubern. Claudio Tolaini, der den älteren Semestern in Wallisellen bereits vom ökumenischen Lieder-Nachmittag 60plus gut bekannt ist, stellte sich dafür gerne zur Verfügung. Spontan änderte er einen bekannten Liedertext ab in „Marmor, Stein und Corona bricht“ oder spielte „Azzurro“ auf besonderen Wunsch.

Auf ihren Balkonen oder hinter geöffneten Fenstern hörten die Seniorinnen und Senioren mit Begeisterung zu. Sie verteilten grosszügig Applaus – und vor allem gab es ein grosses Hallo und viel Gewinke, als sie bekannte Gesichter entdeckten: neben Lucia Reinecke und Ulrike von Allmen waren auch der katholische Pfarreileiter Claudio Cimaschi und Sekretariatsleiterin Giulia Cimaschi-Oberti gekommen, um die Bewohnerinnen und Bewohner des Wägelwiesen mit sicherem Abstand zu begrüssen. Dabei kam es zu rührenden Szenen als eine Tochter ihre Mutter oder eine Ehefrau ihren Mann nach langer Zeit endlich wiedersah und sogar Geburtstagswünsche auf Distanz ausgetauscht werden konnten.

Begeisterte Reaktionen

„Unsere Bewohnerinnen und Bewohner habe das kleine Überraschungs-Musik-Geschenk sehr genossen, es war eine grosse Freude für uns alle“, sagte die stellvertretende Zentrumsleiterin Susanne Neff. Sie und ihre Mitarbeitenden bekamen eine Menge positiver Rückmeldungen. Eine Seniorin wollte wissen, was denn für ein Fest gefeiert werde, eine andere sagte, sie fühle sich wie eine Königin, als vor ihrem Balkon gesungen wurde. Und eine weitere  Bewohnerin brachte es auf den Punkt: „Es war für uns eine schöne Abwechslung in diesen düsteren Tagen.“