Nachmittag 60plus

Einsamkeit ist kein Schicksal

Sie trifft Menschen aller Altersgruppen, die Einsamkeit – 38 Prozent der Menschen in der Schweiz fühlen sich einsam. Darauf möchten die drei Verantwortlichen für die Altersarbeit in Wallisellen in diesem Jahr aufmerksam machen und richten das Veranstaltungsprogramm im 2021 rund um das Thema Einsamkeit aus. Den Auftakt machen ein Kreativ-Wettbewerb und ein Gespräch auf Televista.

Eine Frau sitzt ganz alleine auf einer Schaukel. Vielleicht tut sie das gerne. Vielleicht ist sie gerne alleine, genügt sich als Gesellschaft und hängt zufrieden ihren Gedanken nach. Doch vielleicht ist die Person auf der Schaukel auch einsam: Alleinerziehend, Wittwe,  Kinder hat sie keine, sind erwachsen oder sie wohnen weit weg und das Grüezi der Verkäuferin im Laden ist oft der einzige soziale Kontakt des Tages.

„Ein Gefühl der Einsamkeit ist der subjektive Ausdruck eines Mangels an sozialen Ressourcen oder eines Bedürfnisses nach zusätzlichen oder anderweitigen sozialen Kontakten“, definiert das Bundesamt für Statistik trocken. Es hat – bereits vor Corona – ermittelt, dass sich 38 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz über 15 Jahre einsam fühlen. Dabei ist die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund weniger einsam (35%) als die Bevölkerung mit Migrationshintergrund der zweiten Generation (42%) und jene der ersten Generation (46%).

Einsamkeit kann krank machen

„Ein andauerndes Einsamkeitsgefühl kann ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der betroffenen Personen haben“, schreibt das Bundesamt weiter. Wissenschaftler haben längst herausgefunden, dass Einsamkeit und soziale Isolation einen negativen Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit haben und mindestens so schädlich wie Tabakkonsum oder Übergewicht sind. Die Corona-Pandemie, respektive die damit verbundenen Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen, hat das subjektive Einsamkeitsgefühl noch einmal gesteigert. Gerade bei älteren Menschen über 65 Jahren, wie eine aktuelle Studie der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW zeigte. „Wir merken auch in unserer täglichen Arbeit, dass sich das Problem Einsamkeit durch die Pandemie noch einmal verstärkt hat“, sagt Lucia Reinecke, sozialdiakonische Mitarbeiterin der katholischen Pfarrei St. Antonius.

Grosses Angebot für Seniorinnen und Senioren

Strategien gegen die Einsamkeit und für die soziale Teilhabe von älteren Menschen sind in der Altersarbeit ohnehin ein Dauerthema, nicht erst seit Corona. „In der Gemeinde Wallisellen gibt es seit Jahren ein grosses Angebot für Seniorinnen und Senioren, das auch der Prävention von Einsamkeit dient und an dem sich zahlreiche Menschen aktiv beteiligen“, erklärt Ulrike von Almen, Sozialdiakonin und Beauftragte 2. Lebenshälfte der reformierten Kirche. Trotzdem gibt es immer wieder einsame Personen, die nicht erreicht werden. Oft auch, weil diese sich nicht trauen zuzugeben, dass sie sich isoliert fühlen. „Einsamkeit ist nach wie vor ein Tabuthema in unserer Gesellschaft“, erklärt Karin Zindel, die Altersbeauftragte der Gemeinde.

Mit verschiedenen Ansätzen nimmt man sich in Wallisellen der Herausforderung an, Angebotslücken aufzuspüren und an die älteren Menschen heranzukommen, die sich einsam fühlen. So haben die drei Verantwortlichen der Anlaufstelle für die Altersarbeit 60plus auch schon vor der Pandemie ein entsprechendes Jahresthema in Betracht gezogen. „Durch Corona ist das Thema an die Oberfläche gekommen und wieder vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Dieses Bewusstsein möchten wir nun schärfen und gleichzeitig aufzeigen, dass Einsamkeit kein Schicksal ist und man etwas dagegen unternehmen kann“, erklärt Karin Zindel. Da Einsamkeit viele Gesichter hat, war es für Ulrike von Almen, wichtig „ein vielfältiges Veranstaltungsangebot zu erstellen, das verschiedene Gruppierungen anspricht.“

Teilnehmen und über Einsamkeit nachdenken

Wie ein roter Faden soll sich die Reihe der Veranstaltungen durch das Jahr ziehen. Die geplanten Aktivitäten laden einerseits zur Teilnahme ein, andererseits sollen sie aber auch in der Gesellschaft auf das Thema Einsamkeit aufmerksam machen, zum Nachdenken – und im besten Fall zum Handeln anregen. Denn falls sich die Frau auf dem Bänkli oder der Nachbar im Haus tatsächlich einsam fühlt, helfen ein freundliches Gespräch oder die Einladung zu einer Tasse Kaffee bereits ein kleines Stück aus der Isolation.

Den Auftakt machte der Kreativ-Wettbewerb. Einige Postkarten, die aus dem Wettbewerb gedruckt wurden, liegen in Wallisellen auf, können gratis mitgenommen und an Menschen verschickt werden, denen man auf diesem Weg sagen möchte „Ich denk an Dich.“

Ende März wurde im Studio von Televista ein Referat zum Thema «Damit aus Einsamkeit Gutes wird» aufgezeichnet.

Am Donnerstag, 27. Mai fand im Ref. Kirchgemeindehaus das Referat “Einsamkeit in Kunst und Poesie“ in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kunsthistorikerin Marietta Rohner statt. Angedacht sind ausserdem eine Veranstaltung zum Thema „Resilienz“, der Besuch der Ermitage von Bruder Jakobus, der die Einsamkeit als Lebensform gewählt hat und trotzdem so gar nicht dem Klischee des Einsiedlers entspricht.

Wallisellen will körperliche Bewegung und Begegnung im Alter fördern und lanciert ab dem Spätsommer 2021 das Projekt ZÄMEGOLAUFEBewegung und Kontakte pflegen. Ein weiteres Projekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe Einsamkeit ist kein Schicksal.

Noch ist unsicher, inwiefern die Pandemielage wieder gemeinsame Ausflüge und Anlässe mit einer grösseren Anzahl von Teilnehmenden zulässt. Das Jahresprogramm wird deshalb laufend an die Aktualität angepasst und wenn nötig, werden neue Formen für Veranstaltungen gesucht. Über Änderungen und Ergänzungen wird laufend informiert.

Nächste Anlässe: